[15.02.2012] Liebesgeflüster und Säbelrasseln
AtelierTHEATER | Über den Hinterhof und durch die rote Tür. Und schon ist man mittendrin in diesem kleinen Hinterhoftheater, und ist überrascht. Kuschelig ist es und voll. Die künsterische Leiterin Angelika Werner begrüßt die ankommenden Gäste mit Handschlag. Man kennt sich.
Heute abend steht ein Theaterabend auf dem Programm, der in dieser Form auch für das junge Ensemble neu ist: Eine Mischung aus Show, Improvisation und Musik. Von der Wand werden skurile und absurde Liebesanzeigen zurückgeworfen, die durch eine Endlosschleife gezogen den Abend begleiten.
Im Mittelpunkt steht die Flirtshow HERZBLATT, deren Kandidaten sich im Laufe des Abends durch die Show flirten, fechten, spielen und jandeln. "Lamschippen, Lamschippen..." Da wird fast jedes Klischee bedient und vom Publikum herzlich angenommen. Dazu gereicht wurden von Manuela und Markus Kaiser einige der schönsten deutschen Liebeslieder von Anna Depenbusch, Rio Reiser und den Kaisers selber.
Keine Frage, dieses Ensemble hat Spaß beim Spielen und möchte nur eins: Unterhalten. Und es scheint, als sei Ihnen jedes Mittel recht. Das Publikum jedenfalls ist begeistert. Herz, was willst Du mehr?! MK
[05.02.2012] Königliche Bauchwehpupser in Oberhausen
Die mittlerweile zehnte Produktion des AtelierTHEATERS überzeugt mit Tempo, Witz und Talent
Oberhausen, AtelierTHEATER | Fast fühlt es sich wie eine der phantastischen Lügengeschichten von Walter Moers und seinem Käpt’n Blaubär an. Das Märchen um die verschwundene neue Krone ist eine skurrile Geschichte um einen alternden König, der heimlich Socken strickt und seinem viel zu früh verstorbenen Schneewittchen hinterhertrauert.
Der König tobt als die selten einfältige Magd, wunderbar gespielt von Valeria Giunta, ihm indirekt unterstellt, dass er sie aus Versehen in den Kühlschrank gelegt haben könnte. Und auch der ewig stotternde Stallknecht Josha, gespielt von Ulrich Schult, steht im Verdacht zumindest beteiligt gewesen zu sein am Raub. Um ein Haar hätte die Prinzessin Ihre Hochzeit mit dem Vetter aus Dingsda nicht bekommen, und der König keine kleinen Enkel-Bauchwehpupser für das Königreich. Aber wie in jedem Märchen wird dann doch alles gut.
8 Rollen werden von den 3 Akteuren in rasend schnellem Tempo gespielt.
Die Situationskomik in Tateinheit mit dem sparsam inszenierten Bühnenbild brachten das Publikum immer wieder zum Lachen, dass sich mit reichlich Szenenapplaus bedankte. Für Angelika Werner, die nicht nur den König spielt ist es die mittlerweile zehnte Produktion im AtelierTHEATER Oberhausen. Seit zwei Jahren ist das Hinterhoftheater am Altmarkt zu Hause, und hat sich ein Publikum erspielt, dass die Nähe und Direktheit des Theaters und des Ensembles schätzt. Neue Produktionen sind mit den verschiedenen Ensembles schon in Arbeit, aber den König wird es auch weiterhin zu sehen geben. Wir freuen uns. MK
[03.12.2011] Wenn der Bankier zu Weihnachten drei Mal klingelt
Das Atelier-Theater begeistert am 1. Dez. vor ausverkauftem Haus mit der britischen Komödie „Frohe Feste“. Am Premiereabend feiert das Publikum den rabenschwarzen Humor des Stücks und bejubelt das kongeniale Spiel des Ensembles.
„Mein Gott, was ist denn das? Es klingelt!“ Dieser Ausruf, mit panischer Geste und angsterfülltem Gesicht vorgebracht, ist so etwas wie der running gag in Alan Ayckbourn böser Gesellschaftssatire „Frohe Feste“. Im Mittelpunkt stehen drei Ehepaare, die sich vor Weihnachten abwechselnd besuchen und dabei von einer absurden Situation in die andere geraten.
Das Publikum wird dabei immer wieder mit echt britischem Humor konfrontiert, etwa wenn sich Eva Jackson, die Ehefrau eines Architekten, in ihrer Küche umbringen will. Alle ihre Versuche schlagen fehl, da mit schöner Regelmäßigkeit ein Partygast nach dem anderen herein schneit und mit seiner Anwesenheit unbewusst die tödliche Tat verhindert. Am Ende baumelt die Gattin dann doch nicht am Lampenschirm, stattdessen reparieren die Gäste Abwasserrohre und schrubben mit Feuereifer den verschmutzten Herd.
Dem Ensemble gelingt es dabei immer wieder, die eigentlich tragischen Ereignisse mit loriothafter Komik und zielgenauen Pointen ins Absurde zu drehen – ganz zur Freude des Publikums. Mit einem guten Gespür für Timing und einem ordentlichen Schuß screwball comedy hat Angelika Werner die Vorlage ihres britischen Kollegen aufgenommen und mit ihren Schauspielern auf die Bühne gebracht.
Die Besucher genossen die Vorführung mit sichtlichem Vergnügen und feierten den Premiereabend mit viel Gelächter und lang anhaltendem Applaus. Wer vor Weihnachten Lust hat auf die etwas andere Unterhaltung, der ist bei Angelika Werner und der Aufführung „Frohe Feste“ bestens aufgehoben. Autor: Mark Bernet
Wetterleuchten
"Das ist das schöne an der Biologie,
dass unser Apparat völlig neu funktioniert, wenn man ihn entsprechend
volltankt", sagt Molli in einer Szene und bringt damit den
Motor in Gang,
der die tiefen Abgründe der Frauen aufwühlt und hervorzerrt.
Im Garten der Schwestern liegt der tote Vater...
Mit humorvoll-skurrilen und durchaus schmissigen Monologen wird in WETTERLEUCHTEN
der Gesellschaft ein Spiegel vorgehalten...
Ein Experiment, dass dem Publikum mur mit überzeugend witzigen Schauspielerinnen
schmackhaft gemacht werden kann. Dem Da Capo-Ensemble unter der Regie
von Angelika Werner ist das geglückt:
Vom Premierenpublikum gab's in der Schlosserei minutenlangen Applaus.
Nicht zuletzt wegen Werners außerordentlich gelungener Darstellung
der Molli.
[ NRZ 2005 ]
Paar Excellence
"Ich wollte mal fragen, möchtest Du
Sex? Nein! Das ist aber bedauerlich, schließlich wäre es ja
ein Freundschaftsdienst, und ich würde mir auch Mühe geben."
Ein Blind-Date in einer Eisdiele hat sie zusammengeführt, aber nach
dem Liebesbecher mit Erdbeersoße verzichten sie auf den One-Night-Stand
und gründen eine Wohngemeinschaft.
Mit pointenreichen Texten und und ideenreicher Darstellung geben Jo Rabe
und Dorothee Hollender in ihrem Stück Einblicke in eine Partnerschaft,
die eigentlich gar keine ist.
[ Neue Westfälische Zeitung 2005 ]
Maria Stuart und Elisabeth I.
Elke Ungerer weiß die vermeintliche Eiseskälte
der Elisabeth, die sich im Gewebe des politischen Machtdenkens verstrickt
hat, ebenso glaubhaft zu verkörpern wie die in ihr
keimenden Selbstzweifel.
Petra Wientges glänzt in den Männerrollen vordergründig ergebener
Hofberater mit subtiler Komik...
Eine spartanische Bühne als Laufsteg, schnelle Verwandlungen, eine
brillante Lichtgebung und die musikalische Begleitung durch Susanne Strobel
archaische Perkussionsklänge
wiesen im Zusammenspiel weit über das Niveau vergleichbarer Theaterprojekte
hinaus.
Wohltuend schlank inszeniert...
[ WAZ 2003 ]
Die beiden Königsschicksale werden trotz
des reduzierten Bühnenbildes und Textes von den beiden Darstellerinnen
der Theatergruppe Da Capo brillant auf die laufstegartige Bühne gebracht.
Der Spagat zwischen voluminösen Reifrock und engem Diener und Lords
gelang perfekt.
[ NRZ 2003 ]
Das Duell
"...eskaliert ein Duell zwischen zwei Frauen, die ihre Chance zur Solidarisierung
bereits vor Jahren verspielt haben."
[HEINZ 2000 ]
"...schriller als Schiller
Auch Domina ist einsam. Schrill und schräg war die Inszenierung: von
der Domina in Lack und Leder, die - trotz aller Widersprüche von
Text und Outfit - überzeugend
den Klagemonolog der jungfräulichen Königin Elisabeth aus Schiller's Maria
Suart wiedergab, bis zur Witwe, die in gewagter "Trauerkleidung" aus
Strapsen und schwarzen Dessous ihrer Enttäuschung über die untreue
Männerwelt freien Lauf ließ. Nach und nach
traten die verschiedensten Charaktere ins Rampenlicht der kleinen Bar.
Huren, Naivchen, Zuhälter und Dominas ließen immer nur für
einige Augenblicke ihre coole Fassade fallen und gaben den Blick auf die
dahinter liegende Trauer, Einsamkeit und Melancholie frei."
[ NRZ 1996 ]
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